Viele Frauen spüren schon lange, dass sie irgendwie anders durchs Leben gehen. Vielleicht ein bisschen chaotischer als andere, schneller erschöpft, leichter ablenkbar. Aber es ging. Irgendwie. Gute Noten, gute Ausbildung, guter Job. Man findet Tricks, man kompensiert, man funktioniert.
Und dann kommt ein Baby.
Plötzlich gibt es kaum noch Pausen. Keine langen Momente des Durchatmens. Kein Raum, Dinge in Ruhe zu sortieren. Und genau dann zeigt sich etwas, was vorher kaschiert werden konnte: Du tickst anders.
Mutterschaft nimmt dir die Strategien, mit denen du das jahrelang überspielt hast und fördert dein ADHS zu Tage.
Du ahnst, dass das bei dir der Fall sein könnte?
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Dieser Artikel ist eine Vertiefung für dich, wenn du nach dem Video gemerkt hast: „Das trifft mich und ich will es besser verstehen.“
Eigentlich war dein Kopf schon immer gut gefüllt.
Viele Gedanken gleichzeitig, viele offene Baustellen, ein ständiges inneres „Ah, das darf ich nicht vergessen“. Irgendwie hast du das die letzten Jahre aber noch gut hinbekommen, manchmal besser, manchmal schlechter.
Doch seit du Mama bist, kommt eine Schicht obendrauf. Und noch eine. Und noch eine.
Du denkst daran, den Impfpass für den Arzttermin heute Nachmittag bereitzulegen, damit du ihn bloß nicht vergisst. Während dieser Gedanke noch läuft, hörst du aus der Küche das überkochende Nudelwasser. Also dorthin. Beim Wegwischen fällt dir ein, dass du ja auch noch die Krankenkassenkarte brauchst. Also wieder in den Flur. Die Wäsche steht dort auch noch, also kurz ins Bad.
Fünfzehn Minuten später stehst du wieder in der Küche.
Die Nudeln sind kalt.
Der Herd ist immer noch nicht sauber.
Und der Impfpass liegt natürlich immer noch nicht bereit.
Mama-Alltag?
Ja. Aber vielleicht steckt dahinter einfach ein Gehirn, das anders funktioniert.
Wenn du ständig das Gefühl hast, in deinem Kopf sind zu viele Tabs gleichzeitig offen und keiner lässt sich wirklich schließen, kann das ein Hinweis auf ADHS sein. Nicht, weil du chaotisch bist, sondern weil dein Nervensystem weniger filtert und deine Aufmerksamkeit ständig auf mehrere Dinge gleichzeitig springt.

Vielleicht kennst du das: Du startest motiviert. Neue App. Neuer Wochenplan. Ein richtig guter Plan sogar. Für zwei Tage, vielleicht sogar für 2 Wochen läuft es. Und dann kommt eine Kleinigkeit dazwischen und alles bricht weg.
Nicht, weil du es nicht willst.
Sondern, weil dein Alltag seit du Mama bist nicht vorhersehbar ist (Weißt schon, Kind krank usw.) und dein Gehirn auf Neues anspringt, auf Routine aber kaum und Pläne deshalb nie lange halten. Dein Kopf möchte Abswechslung.
Bevor du Mama wurdest, konntest du das gut kaschieren. Ein bisschen durchbeißen, ein bisschen improvisieren, ein bisschen später nacharbeiten. Mit Kind funktioniert das nicht mehr wirklich. Jede Unterbrechung wirft dich raus. Jeder Tag bringt neue Aufgaben. Und jede Struktur, die nicht zu deinem Gehirn passt, fällt in sich zusammen.
Das ist kein Versagen.
Das ist schlicht ein Hinweis darauf, dass du ein anderes Struktursystem brauchst als die meisten Menschen.
Vielleicht kennst du diese Mini-Momente, in denen etwas kippt.
Ein zu lautes „MAMAAAAA“.
Eine kleine Verzögerung.
Ein Geräusch zu viel.
Eine verschüttete Apfelsaftschorle.
Und plötzlich spürst du, wie es in dir eng wird. Warm. Kochend. Zu schnell. Du willst ruhig bleiben, aber dein Körper reagiert mit Wut, bevor dein Kopf hinterherkommt.
Nach außen wirkt es wie „zu emotional“.
Für dich fühlt es sich an wie ein Reiz, der direkt im Nervensystem einschlägt.
Viele Mamas mit ADHS erzählen, dass sie kaum Puffer haben. Keine Verzögerungszeit zwischen Reiz und Gefühl. Und danach kommt sofort das schlechte Gewissen. Du wolltest nie laut werden. Und doch passiert es.
Nicht, weil du empfindlich bist, sondern weil dein Nervensystem schneller feuert und länger braucht, um sich wieder zu beruhigen.

Du schaust auf andere Mütter und fragst dich, warum sie so ruhig bleiben können. Warum ihre Wohnungen ordentlicher sind. Warum sie Termine nicht vergessen. Warum ihr Alltag wirkt, als sei er einfach machbar.
Und bei dir fühlt sich vieles wie ein Dauerkampf an.
Viele Frauen mit ADHS leben schon seit der Schulzeit in einer Art permanentem Vergleich. Du willst mithalten. Du willst normal wirken. Du strengst dich doppelt an, um nicht aufzufallen. Dieses Masking funktioniert jahrelang erstaunlich gut.
Mutterschaft sprengt es.
Zu viele Anforderungen. Zu viele Reize. Zu wenig Pause. Und plötzlich wird sichtbar, wie viel Kraft du immer gebraucht hast, um so zu leben wie alle anderen.
Der Gedanke „Ich bin zu viel“ oder „Ich bin nicht genug“ ist deshalb ein Echo all der Jahre, in denen du vor lauter Anpassung an deinem wahren Ich vorbei gelebt hast.
Es gibt Tage, da kannst du die Welt retten.
Du räumst, kochst, organisierst, spielst, trägst, sortierst. Du bist im Flow und es fühlt sich gut an.
Und dann gibt es Tage, da schaffst du kaum den ersten Schritt.
Alles ist schwer. Die kleinste Aufgabe ein Berg.
Viele Mamas mit unerkanntem ADHS werfen sich aufgrund dieses Musterst Faulheit oder Inkonsequenz vor, dabei ist es ein typischer Energiezyklus, den viele ADHS-ler von sich kennen.
Früher hattest du Pausen, um die Tiefs abzufedern. Als Mama gibt es die nicht mehr, weshalb die Energielöcher ganz schön mühsam und dunkel werden können und sich viele Mamas fragen, ob sie in einem Burnout oder einer Depression gelandet sind.
Wenn du das von dir kennst, dann lohnt es sich, mit ADHS näher zu befassen.

Viele Mamas mit ADHS berichten, dass gerade noch alles gut war und dann, ganz plötzlich wird alles zu viel und sie wollen nur noch weg.
All den Trubel um sie herum, das ständige verfügbar sein müssen, die andauernden Reize überlasten das Nervensystem und dann reicht ein Geräusch, eine Bewegung, die Unordnung um einen herum, Kinderhände am Körper, mehrere Stimmen gleichzeitig und plötzlich kollabiert das System.
Für ein Gehirn mit schwächerem Reizfilter fühlt sich das dann an, wie eine tatsächliche Bedrohung. Und wenn du eh schon müde bist, ist es logisch, dass du innerlich dichtmachst.
Das ist kein Zeichen mangelnder Belastbarkeit.
Es ist ein Zeichen von Reizüberflutung.
Viele ADHS-Mamas sind unglaublich empathisch und verantwortungsbewusst.
Du organisierst.
Du denkst an alle Geburtstage.
Du sorgst dafür, dass alle funktionieren.
Du bist für dein Kind da, für deine:n Partner:in, für Freunde.
Und am Ende des Tages merkst du, dass du selbst mal wieder völlig zu kurz gekommen bist.
Das liegt nicht daran, dass du dich absichtlich vergisst.
Es liegt daran, dass du gelernt hast, dich über Leistung und Fürsorge zu stabilisieren.
Mutterschaft überlastet dieses System, du bist erschöpft, ausgebrannt, versinkst im Chaos und wünscht dir, dass dich irgendwie jemand da rausholt und entlastet.
Wenn du dich in mehreren dieser Beschreibungen wiederfindest, bedeutet das nicht automatisch, dass du ADHS hast. Aber es bedeutet, dass deine Erfahrungen Sinn ergeben könnten. Dass du nicht die Einzige bist. Dass mit dir nichts falsch ist. Dass du gerade nicht dabei bist, auf ganzer Linie zu versagen.
Du funktionierst einfach anders.
Und du darfst beginnen, dein Leben so zu gestalten, dass es zu dir passt.
Vielleicht findest du in meiner Welt Impulse und Angebote, die dich genau dabei unterstützen.
Schau dich gern ein bisschen um oder melde dich direkt bei mir, wenn du Fragen hast.
Alles Liebe
Von Mama mit ADHS zu Mama (mit ADHS)
Judith